gegen-nazis_banner4 "Frénétiks" von allen Anschuldigungen freigesprochen

Am Donnerstag, den 27.Januar 2011, wurden die 4 Fans von FC Metz endlich von allen Anklagepunkten freigesprochen und werden sogar vom französischen Staat entschädigt. Sie waren in Gewahrsam genommen und mit Stadionverboten belegt worden, weil sie ein "Gegen Nazis" Banner mit einer Faust, die ein Hakenkreuz zerschlägt, im Stadion aufgehängt hatten.

 

 

Die 4 Fans sind Mitglieder der Ultragruppierung Horda Frénétik, die im Jahr 1997 gegründet wurden. Die Mitglieder dieser Gruppe sind immer sehr für ihr Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball in Frankreich bekannt gewesen. Am 27. Januar 2011, mehr als 4 Monate nach ihrer Ingewahrsamnahme beim Heimspiel, das am 22. Oktober 2010 stattfand, mussten sich die vier Fans vor einem Gericht in Metz verantworten.

Etwa 45 Menschen kamen aus Solidarität mit den Fans zur Verhandlung und quetschten sich in einen kleinen Gerichtssaal. Unter ihnen waren Freunde und Familie, aber auch FSE-Koordinatorin Daniela Wurbs und 2 Mitglieder des norwegischen Fanclubs Klanen von Valerenga, die dem FSE Unterstützungsaufruf gefolgt waren und sich von Oslo auf den Weg nach Metz gemacht hatten. Zudem hatte der Fall die Aufmerksamkeit von einigen Journalisten und TV-Teams der lokalen und nationalen Medien auf sich gezogen, die ebenfalls gespannt das Ergebnis der Verhandlung erwarteten.Valerenga Supporters

Diese Zuschauer und die Beschuldigten hörten anschließend die von der Richterin verlesene Anklageschrift: gemäß den Anschuldigungen der französischen Polizei, die die Fans nach ihrem Heimspiel am 22. Oktober 2010 in Gewahrsam genommen hatten, und dem Sicherheitsbeauftragten des FC Metz, waren die vier jungen Männer schuldig ein Banner zur Schau gestellt zu haben, welches, nach dem entsprechenden Paragraphen im französischen Gesetz "ein Symbol bei einer Sportveranstaltung darstellen würde, das eine rassistische oder fremdenfeindliche Ideologie wiedergibt". Weiterhin argumentierte die Polizei, dass das Wort "GEGEN" auf dem Banner eine Abkürzung für eine andere Fangruppe von FC Metz namens "Génération Grenard" darstellen würde, welche als rechte Gruppe bekannt ist.

Dieses eher bizarre Argument wurde umgehend vom Anwalt der vier Horda-Mitglieder, Raphaël-Anthony Chaya, auseinandergenommen, der der Richterin zu Beginn seines Plädoyers das fragliche Banner zeigte, es mehrfach faltete und einfach rhethorisch in Frage stellte, wie das Wort GE-GEN potenziell als Abkürzung für eine Gruppe namens GEnération - GREnard gesehen werden konnte...sogar wenn man voraussetzte, dass die französische Polizei vor Ort kein Deutsch verstanden hätte.

Er setzte sein leidenschaftliches Plädoyer um die Frage herum fort, ob und wie junge Menschen in ihrem Engagement gegen Rassismus und Faschismus in der Gesellschaft und in französischen Stadien unterstützt werden können und sollten, vor allem vom französischen Staat. Dieser Fall könne entscheiden, wie der französische Staat in anderen Ländern in dieser Hinsicht gesehen werden werden wolle. Um seine Argumentation zu unterstreichen, nutzte Chaya auch Aussagen von FSE und FARE Partner LICRA zum Gebrauch des fraglichen Symbols in anderen Ländern und erwähnte die Gegenwart von FSE-Mitgliedern aus dem Ausland im Verhandlungssaal.

Nach einer relativ kurzen Wartezeit nach Ende von Caya's Plädoyer, gab die Richterin bekannt, dass die vier Fans von allen Anklagepunkten freizusprechen seien und dass jeder von ihnen eine kleine Entschädigungszahlung vom französischen Staat erhalten würde.

Mit Sicherheit spielte die Entschädigung nur eine untergeordnete Rolle für die beschuldigten Fans, aber zusammen mit dem Freispruch betrachten wir bei FSE dies als eine wichtige symbolische Entscheidung für alle Fans, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball engagierten, ob in Frankreich oder woanders!  Anti-Diskriminierung ist kein Verbrechen!

Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an die zwei Klanen-Mitglieder, die nach Metz gereist sind und an alle FSE-Mitglieder und Fans in Europa, die den Fall unterstützt haben und ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht haben.

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