testIm Folgenden findet Ihr Statements der Football Supporters Federation (FSF), welche die englische Fanbotschaft organisiert sowie von der russischen Fanbotschaft. Beide waren in Marseille im Einsatz und Zeugen der Auseinandersetzungen rund um den Spieltag. Beide erinnern außerdem daran, dass man – wofür wir als Fußballfans in Europa seit langem kämpfen – nicht alle Fans eines Landes nach dem Verhalten einer kleinen Minderheit beurteilen soll. Lest hier nun ihre vollständigen Stellungnahmen:

Statement der Fanbotschaft Russland:

“Das Team der russischen Fanbotschaft möchte seine Bestürzung über die Krawalle in Marseille ausdrücken, an denen auch russische Fans beteiligt waren. Wir sind der festen Überzeugung, dass derartiges Verhalten nicht normal ist unter unseren Landsleuten, die nach Frankreich gereist sind, um unsere Nationalelf zu unterstützen. Wir bedauern die englischen Fans, die verletzt wurden und sich nun im Krankenhaus befinden und wünschen ihnen eine schnelle Genesung.

“Als Fanbotschaft Russland möchten wir die von uns zwischen englischen und russischen Fans festgestellte freundliche Atmosphäre und den gegenseitigen Respekt hervorheben, den wir in Marseille erlebt haben. Mit unserer Arbeit möchten wir allen Fans beider Mannschaften helfen, gegenseitigen Respekt fördern und zu einer fröhlichen Atmosphäre während des Turniers beitragen.”

FANBOTSCHAFT RUSSLAND

Website

Social media: Facebook * Twitter @fansembrussia * Instagram * VKontakte * #ФанПосольство

Hotline +33 (0)677 308 912

Fanguide

 

Das Statement der englischen Fanbotschaft / der Football Supporters Federation:

“In Marseille wurden England-Fans mehrfach Opfer zahlreicher geplanter, organisierter und brutaler Angriffe vor dem Spiel gegen Russland, im Stadion sowie nach dem Abpfiff.

Dutzende englischer Fans wurden verletzt, einige davon schwer. Zahlreiche weitere – darunter Frauen und Kinder - waren betroffen von Tränengas und dem Einsatz von Wasserwerfern durch die Polizei. Was eigentlich ein vergnügliches Fußballfest werden sollte, entpuppte sich für viele al sein sehr unerfreulicher Turnierbeginn.

Einige löbliche Ausnahmen täuschen leider nicht über die reflexartigen Reaktionen in Medien und Politik hinweg, die wieder einmal uns die Schuld gaben, entweder aufs Faulheit oder weil es ihnen gut passte, die alten Klischees über englische Hooligans im Ausland hervorzukramen.

Wie auch immer die Vergangenheit gewesen sein mag – und es gab eine Menge, was uns damals eine negative Reputation eingebracht hat – dieses Mal sind die Beschuldigungen aus der Luft gegriffen.

Wir behaupten nicht, dass alle England-Fans Engel sind. Während die große Mehrheit von uns anreist, um Fußballfeste zu feiern und neue Freunde zu finden, gibt es immer noch auch einige, die vielleicht etwas zu viel trinken oder Lieder singen, die nicht unbedingt jedermanns Geschmack sind. Doch wir können besten Wissens und Gewissens behaupten, dass während unseres Aufenthalts in Marseille keiner der gewalttätigen Vorfälle dort von englischen Fans initiiert wurde.

Wir haben Gruppen beobachtet, die sich sammelten – manchmal russische Hooligans, manchmal Ultras aus Marseille und manchmal auch einfach nur Jugendbanden – deren ausgemachtes Ziel es war, England-Fans zu attackieren, die sich in den Bars und Restaurants aufhielten oder auf dem Weg zum Stadion waren. Einige in diesen Gruppen waren bewaffnet, andere waren maskiert, gemeinsam hatten sie das Ziel, englische Fans anzugreifen.

Die Attacken waren oftmals brutal und vor diesem Hintergrund können wir den englischen Fans, denen nichts übrigblieb als sich und zum Teil ihre Familien zu verteidigen, nur schwer einen Vorwurf machen. Doch selbstverständlich sind dies dann oftmals die Bilder, die es ins Fernsehen schaffen und aus dem Zusammenhang gerissen dazu benutzt werden, England-Fans zu dämonisieren. Die Medien sprachen von “Zusammenstößen” zwischen Fans, als seien hier zwei Gruppen im gegenseitigen Einvernehmen aufeinander losgegangen. Doch das ist nicht das, was hier passiert ist.

Hier handelte es sich um hinterhältige Angriffe auf Gruppen, in denen sich Familien befanden, auf unschuldige Menschen, die sich einfach nur eine gute Zeit während des Turniers haben wollten. Diese Art von Verhalten und die Täter haben im Fußball nichts verloren. Sie sind es auch, die für die Geschehnisse in Marseille verantwortlich sind.

Dass es zu diesen Angriffen überhaupt kommen konnte, wirft einige grundlegende Fragen zur Rolle der französischen Polizei auf. Sicherlich ist die oberste Priorität der Polizei in einem Land, das ein solches Turnier austrägt, dass diejenigen, die anreisen, es genießen können, sicher vor terroristischen Anschlägen. Jedoch sollten sie doch wohl auch vor Angriffen einheimischer Schläger und anreisender Hooligans geschützt werden?

Trotzdem mussten wir mit ansehen, wie letztgenannte sich treffen konnten, um Attacken auf Fans vorzubereiten und durchzuführen, während die Polizei zusah. Wenn die Beamten sehen, wie sich ein solches Problem vor ihren Augen entwickelt, warum tut sie nichts, um zu verhindern, dass die Angreifer in die Nähe ihres Zieles gelangen?

Jedes Mal war die erste Reaktion der französischen Polizei, Tränengas zu verschießen und dann Wasserwerfer einzusetzen. Es liegt in der Natur von Tränengas, dass es nicht zwischen Tätern und Unbeteiligten oder zwischen Angreifern und Opfern unterscheidet – und oftmals landet es erst in der Menge, wenn die Bösewichte sich bereits zurückgezogen haben und nur die zurückbleiben, die gerade angegriffen wurden oder in der Nähe stehen, mit stechenden und tränenden Augen, kaum in der Lage zu atmen.

Die andere Konsequenz eines solchen Einsatzes ist, dass er dramatisch und effektvoll wirken mag, wenn Menschen auseinandersprinten und versuchen sich zu schützen, allerdings hindert es Hooligans auch nicht daran, sich am nächsten Tag wieder zu bekämpfen. Keiner von ihnen wird inhaftiert, sie können verschwinden, sich zum nächsten Angriff sammeln oder einfach zu ihrem nächsten Spielort fahren.

Dem Ärger auf den Straßen von Marseille folgten die erschreckenden Szenen nach dem Abpfiff im Stadion: illegal Pyrotechnik, ein ohrenbetäubender Böller, politische sowie rechtsextremistische Fahnen und schlussendlich der Angriff auf England-Fans im Nebenblock, einem neutralen Bereich, in dem sich auch französische Fans und zahlreiche Familien aufhielten. All das ist absolut inakzeptabel.

Bei der Euro 2000 wurde dem englischen Team wegen des Fanverhaltens mit dem Ausschluss vom Turnier gedroht. Dieses erscheint vor dem Hintergrund dessen, was die russischen Hooligans in den vergangenen Tagen veranstaltet haben, ehrlich gesagt geradezu harmlos.

Wir waren gegen den Turnierausschluss des englischen Teams im Jahr 2000, weil diese Maßnahme die friedliche Mehrheit der Fans mindestens ebenso wie die schuldige Minderheit bestraft hätte, wenn nicht noch mehr – das Gleiche gilt auch jetzt, wenn der Ausschluss Russlands im Raum steht. Sanktionen sollten die Täter nämlich isolieren und bestrafen. Die Mehrheit der Fans ist dabei nicht Teil des Problems sondern seiner Lösung.

Einen signifikanten Unterschied zur Euro 2000 und der damaligen Androhung des Turnierausschlusses gibt es jedoch, nämlich den gemeinsamen Versuch aller im englischen Fußball involvierten Parteien (inclusive Regierung, Polizei, Verband und Fanorganisationen), das Problem zu bekämpfen. Daraus resultierten neue Gesetze sowie die so genannten Football Banning Orders. Und es funktionierte: Das Resultat war, dass sich das Verhalten und das Image der englischen Fans mit der Zeit verbesserte und man uns mehr als einmal bescheinigte, zu einer fantastischen Turnieratmosphäre beigetragen zu haben.

Wenn Russland als Fußballnation, als Turnierteilnehmer und sogar als Ausrichter eines solchen Turniers ernst genommen werden will, dann muss es seine gewalttätigen Fans daran hindern, derart hinterhältige, gewalttätige Angriffe zu starten. So wie sich die Dinge derzeit darstellen, ist die Aussicht auf eine Weltmeisterschaft in Russland reizloser denn je.

Das ist sicherlich Zukunftsmusik, doch jetzt müssen die französischen Behörden mit sofortiger Wirkung dafür sorgen, dass die englischen Fans die EURO 2016 genießen können. In der Karnevalsstimmung, für die wir bekannt sind, sicher vor Aggressionen und angespornt zum Feiern.“

FANBOTSCHAFT ENGLAND

Geführt von der Football Supporters Federation

Website

Social media: Facebook* Twitter @The_FSF and @FSF_FreeLions

Hotline +44 7956 121314

Fanguide

 

Kontakt

Football Supporters Europe eV

Koordinationsbüro

Postfach 30 62 18
20328 Hamburg
Germany

Tel.: +49 40 370 877 51
Fax: +49 40 370 877 50
Email: info@fanseurope.org

Impressum